Die von Künsberg - Teil II. Die Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechtes von Dr. Albert E l s t n e r
DREITEILUNG DES BRANDENBURGISCHEN BESITZES.
Das Erbe Georgs I. übernahm sein Sohn Rüdiger, der von 1414 - 1482 lebte und mit einer von Lichtenstein vermählt war. Da die Künsbergischen Burgen alle zerstört und unbewohnbar geworden waren, so mußte Georg in seiner Hofstadt Creußen wohnen. Das Bayreuther Land hatte durch die Hussitteneinfälle und Einbrüche der Böhmen sehr lange gelitten. Erst 1476 kehrte wieder Frieden im Lande ein.
Der Besitznachfolger Rüdigers war sein Sohn Georg II. der zwischen 1438 bis 1537 lebte. Große Ereignisse fielen in die Lebenszeit Georgs II. So die Erfindung der Buchdruckerkunst 1450 . Das bedeutendste Ereigniss war jedoch die Reformation und damit die Einführung der lutherischen Lehre. 1533 wurden auch die Taufregister eingeführt. Da Georgs II. Landesherr, der kriegerische Markgraf Albrecht Achilles war, mußte er an zahlreichen Auseinandersetzungen mit Nürnberg und auch den bayerisch-würzburgischen Krieg 1460 und am Kampf gegen die Böhmen teilnehmen, die um 1504 wieder ins Bayreuther Land einfielen, was zur Errichtung von festen Wachtürmen im Grenzland führte, besonders bei Münchberg, Hof und Creußen.
Albrecht Achill führte auf seiner Residenz Blassenburg einen ziemlich aufwendigen Hofstaat. An der Spitze stand der Amtshauptmann und Kommandant der Veste, der sich "Amtshauptmann auf dem Gebürg" nannte. Das Bergwesen wurde weiter ausgebaut; Silber gewann man in Dänich bei Rehau, Kupfer bei Naila, Eisen in Münchberg-Spar-neck, Geroldsgrün und Rehau. Eine Zinnwäsche fand sich bei Wun-siedel und Blei wurde bei Lichtenberg gewonnen. Gold fand man in Goldkronach. Zur Türkenabwehr sollte nun eine allgemeine Reichssteuer gezahlt werden, der sog. "Gemeine Pfennig". Diese Abgaben sollten auch vom Adel verlangt werden. Der wehrte sich stärkstens dagegen, denn er sagte: "Dem Vaterland dienen mit Blut und Leben, aber nicht mit Geld!" Darauf zerstörten einige Ritter markgräfliche Dörfer aus Protest. Georg II verstarb in seiner Hofstadt in Creußen und wurde in der dor-tigen Kirche begraben. Er war mit einer Seckendorf-Aberdar ver-mählt und hinterließ zwei Söhne.
KRIEGERISCHER ABENTEUERER
Die Kindsberg-Schnabelwaider Familienlinie wurde nun von Adam von Kindsberg fortgeführt. Von den künsbergischen Schlössern war nur noch Wernstein in gutem Zustand, das aber noch von Johann Friedrich aus der Alt-Wernsteiner Familienlinie bewohnt wurde. Adam nahm seinen Wohnsitz in seiner Hofstadt in Kulmbach. Das sog. "Künsbergschlößchen" besteht heute noch und ist in die Stadtmauer eingebaut. Der Lehensherr Adams war Markgraf Albrecht Alcibiades, ein kriegerischer Abenteuerer, der das Fürstbistum Bamberg-Würz-burg und die Stadt Nürnberg mit Krieg überzog und sich auch mit dem Kaiser überwarf, bis er im Juni 54 von den Bundesständischen endgültig besiegt wurde, und dabei fiel Kulmbach und die Blassenburg der Zerstörung anheim. Albrecht selbst kam in Reichsacht und starb 1557.
REICHLICHES ERBE ZU THURNAIJ
Nachdem Hans Friedrich von Kindsberg 1571 zu Thurnau ohne Erben gestorben war, erlosch die Alt-Wernsteiner Familienlinie, und der Markgraf Georg Friedrich betrachtete das Gut Wernstein als ein an-geblich heimgefallenes Lehen. Allein schon im folgenden Jahre nahm Adam von Kindsberg auf Schnabelwaid, auf Grund der Testamentsfolge, von den erledigten Gütern Besitz. Er war nun Inhaber von halb Thurnau, des Schlosses Wernstein und der Güter Hain und Schmeilsdorf und geriet dadurch in manche unangenehme finanzielle Nöte, welche durch die Herauszahlung von 34 000 Gulden an die Witwe des Erblassers, Ursula, entstanden. Dies bewog Adam, schon bei Lebzeiten seine Erbschaft an den ältesten Sohn Georg Siegmund abzutreten, welcher später die Witwe Ursula, geb. Förtsch, heiratete und dadurch wieder in den Besitz der Abfindungssumme gelangte. Zur Herrschaft Thurnau gehörte auch Limmersdorf, wo mehrere Künsberge ihre Ruhestätte fanden. Am Kirchturm findet sich heute noch das Wappen der Künsberge. Thurnau war nun bis 1731 gemeinsamer Besitz der von Giech und der von Künsberg. Seit 1731 wurde es ausschließlich Besitz der zu Reichsgrafen erhöhten Gieche. Der untere Teil des Schlosses Thurnau wird heute noch der "Künsbergflügel" genannt. An der Außenmauer zeugen noch die Wappen von dieser Familie. An der Herrschaftsloge der Schloßkirche, wo ebenfalls Künsberge ihre Ruhe-stätte fanden, und am Altar der Kirche sind noch die Künsbergwap-pen angebracht. Adam von Künsberg war auch Kommandant der Veste Rosenberg und vermählte sich mit einer Schaumberg-Strößendorf und verstarb 1574.
FRIEDLICHER FÜRST
Auf den kriegerischen Albrecht Alcibiades folgte Markgraf Georg Friedrich, der nun Kulmbach und die Blassenburg wieder aufbaute. Er verhandelte mit den früheren Gegnern, so auch mit dem Fürst-Bistum Bamberg wegen einer Entschädigungssumme und bekam sie, wobei als Verhandlungssprecher auf Seiten des Bischofs Georg Ulrich von Künsberg, der schon erwähnte Domherr und Vizedom zu Kärnten, auftrat. Während schon vorher als Vertreter des Markgrafen Johann Friedrich auf Wernstein mit den Fürstbischöflichen verhandelte. Um 1520 erfolgte auch die Errichtung der Förtsch'schen Pfarrei Hutschdorf, wo sich heute noch ein Künsberg-wappen an der Empore befindet, und eine Erinnerungstafel an einen Uso von Künsberg-Thurnau im Chor angebracht ist. Eine Cordula von Künsberg heiratete 1552 einen Heinz von Giech-Buchau, in der Kirche von Buchau steht noch eine wertvolle Grabtafel der Familie. Markgraf Georg Friedrich gründete im Kloster Heilsbronn, wo ein Fürstenbegräbnis der Markgrafen bestand, eine Fürstenschule. Zahl-reiche sehr wertvolle Grabdenk-mäler sind heute noch in der Kirche zu Heilsbronn erhalten. Um 1560 wurde in Hof die erste Buchdruckerei gegründet.
GÜTERTEILUNG
Nach dem Tod Adams errichteten seine drei Söhne 1574 einen neuen Güterteilungsvertrag, der sich an das Testament des Vaters hielt. Es erhielt Georg Siegmund die Güter Wernstein, Schmeilsdorf und Hain und mußte 35 000 Gulden Schulden übernehmen. Hans Friedrich er-hielt Schnabelwaid mit dem Stammhause Altenkindsberg, während Johann Adam Thurnau und Zubehör erbte. Georg Siegmund war nun mit der Witwe Ursula von Förtsch vermählt, die 1593 zu Wernstein starb und in Veitlahm begraben liegt; die Ehe war kinderlos.
Georg Siegmund war auch Ganerbe auf dem Rotenberg und wohnte hauptsächlich auf seiner Burg Wernstein, deren Rüstkammer er er-weiterte und deren Vorgebäude er neu erbaute. Die ehemalige mittel-alterliche Burg wurde im Bundesständischen Krieg gegen Markgraf Alcibiades ziemlich stark beschädigt. So wurde später der Schloßbau im Renaissancestil wieder aufgebaut. Das Untere Schloß, die sog. Vorgebäude, die zwischen 1587 und 93 von Georg Siegmund erbaut wur-den, dienten hauptsächlich der Verteidigung und der Repräsentation. Bei der Einfahrt befindet sich ein zweigeschossiger Rundturm, der zwei Wappen trägt mit der Inschrift: Georg von Kindsberg und Ursula von Kindsberg geb. Förtschen zu Wernstein-Thurnau. - Die Jahreszahl bedeutet wohl die Bauzeit des Turmes. Georg Siegmund errichtete auch ein neues Pfarrhaus in Veitlahm 1578 und eine neue Kirche 1578und eine neue Kirche 1598. Er war Protestant und Lehengerichtsassessor in Bamberg. Er verstarb 1618 zu Wernstein und ist in der Kirche zu Wernstein begraben. Seine Güter erbten seine Neffen Georg Wilhelm und Hans Heinrich.
Wappen an der Empore in Hutschdorf Bild folgt.
SCHLOß SCHNABELWAID MEHRMALS ZERSTÖRT
Der zweite Sohn Adams, Johann Friedrich, der von 1561 - 1628 lebte, gründete die Linie Schnabelwaid. Johann Friedrich war fürstbischöflicher Kommandant auf der Veste Rosenberg ob Kronach und später Kommandant der Blassenburg Kulmbach. 1604 baute er Schloß Schnabelwaid neu auf. Eine Tafel am Turm des Schlosses erinnert noch an den damaligen Bauherrn. Johann (Hans) Friedrich machte auch der Kirche von Emtmannsberg noch Zuwendungen zur Renovierung 1626 . Auch die Kirche in Schnabelwaid wurde von Ihm mit einer größeren Summe in seinem Testament bedacht. Johann Friedrich liegt in der Kirche zu Schnabelwaid begraben. Über dem Kirchenportal und an der Sparkasse sind noch Künsberg-Wappen angebracht. Nun übernahm Ferdinand Christoph die Güter und das Schloß. 1631 stieß Markgraf Christian zu Bayreuth zu Gustav Adolf, dem schwedischen König. Schnabelwaid geriet dann einmal in schwedische und dann wieder in kaiserliche Hände. 1633 brennt Schnabelwaid und sein Schloß ab. 1633 und 1634 werden auch Wernstein, Schmeilsdorf, Schwarzach und Tüschnitz schwer beschädigt. Auch die Kirche zu Emtmannsberg wird von den Kaiserlichen zerstört. Eine Schwester des Ferdinand Christoph, Rosina Amalie war mit einem Kaspar von Schaumberg zu Laineck und Emtmannsberg vermählt und bewohnte nun wieder das aufgebaute Schloß Emtmannsberg. So saß wieder eine Künsberg auf dem ehemaligen Familienbesitz. Ferdinand Christoph baut nun 1636 das Schloß Schnabelwaid wieder auf; nur der Turm war noch stehengeblieben. Auch die Kirche wird 1636 wieder erstellt, auf der Glocke findet sich noch das Künsberg -Wappen. Ferdinand Christoph verstarb 1643. Den Besitz übernahm nun der Neffe des Verstorbenen, nämlich Georg Friedrich. Da Georg Fiedrich viel Schulden hatte, verkaufte er 1668 das Stammhaus Altenkindsberg an die Familie von Stein und das Gut Schnabelwaid an den Markgrafen. Dafür erwarb er das Gut Adelsdorf bei Forchheim, wo er auch begraben liegt. Die Familie von Stein erlosch 1739 , und das Gut Altenkindsberg und Emtmannsberg fielen zurück an den Markgrafen Friedrich zu Bayreuth. Den verbliebenen Besitz bekam nun der Sohn des Georg Friedrich, Adolf Albert, der 1659 geboren ward. Er wurde später mit gut Adelsdorf belehnt, nachdem Adolf August von Künsberg zu Hain die Vormundschaft übernommen hatte. Adolf Albert fiel im Kampf gegen die Türken 1693 bei Piemont im 34. Lebensjahr. Adelsdorf fiel an den Lehenshof heim. Mit Adolf Albert starb die Altenkindsberg - Schnabelwaider Familienlinie aus, die fast 300 Jahre bestanden hatte.
LINIE NEU - WERNSTEIN BLÜHT WEITER
Der dritte Sohn des Adam, Hans Adam übernahm nun das Erbe in Thurnau. Und Wernstein von seinem Vater. Er war vermählt mit Amalie Marschalk von Ebneth. Sie war die Tochter des Wolf Christoph Marschalk von Ebneth - Wildenberg. Die Marschalk von Wildenberg waren eine Nebenlinie der Redwitze. Von dem einst großen Wildenberger Schloß ist heute nichts mehr zu finden; ein Lageplan dieses Schlosses findet sich noch im Heimatmuseum auf der Veste Rosenberg. Hans Adam hatte Thurnau gemeinschaftlich mit Hans von Giech. Er bewohnte den unteren Teil des Schlosses, den sogenannten "Künßbergflügel" . Eine Mauer im Schloßhof teilte die beiden Anteile ab. Trotzdem kam es zwischen den beiden Besitzern immer wieder zu Streitigkeiten. Hans Adam starb 1602. wahrscheinlich an der Pest und ist in Schwarzach begraben. Seine Witwe liegt in der Thurnauer Schloßkirche beerdigt; sie starb erst 1620.
Schloß Wildenberg Bild folgt.
ÄNDERUNG DER RELIGIOSEN VERHÄLTNISSE
In die Zeit des Hans Adam fällt auch der Übertritt mehrerer Pfarreien zur protestantischen Kirche, so Seibelsdorf 1560, Mitwitz, Obristfeld, Grub, Zeyern, Schmölz, 1580. 1582 wurde der Gregorianische Kalender eingeführt. Die beiden Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth wurden gemeinschaftlich von Georg dem Frommen regiert. 1667 legte der Abt Georg 1. von Banz seine Würde nieder, nachdem er mit allen Konventualen ausgewandert und protestantisch geworden war, und die meisten Mönche geheiratet hatten. 1591 kommt Bischof Ernst von Mengersdorf von Bamberg nach Kronach zur Hochzeit seiner Schwester mit Sebastian von Redwitz. Eine Tochter Hans Adams war mit Albrecht Truchseß von Wetzhausen zu Sternberg vermählt. Der Sohn Hans Heinrich, 1590 zu Thurnau geboren, wird der Stammvater der neuen Wernstein - Hain - Schmeilsdorf - Tüschnitz - Nageler Familienlinie. Ein zweiter Sohn Wilhelm, 1589 zu Thurnau geboren, gründet die Thurnau-Ermreuther Familienlinie.
DIE NEU ENTSTANDENE THURNAU-ERMREUTHER FAMILIENLINIE
Beim Tode des Vaters waren die Brüder Georg Wilhelm und Hans Heinrich noch unmündig. Georg Wilhelm war 13 Jahre alt. Die beiden wurden einem eigenen Praeceptor, Baptist Lenk, zum Untericht übergeben. Vormund war ihr Oheim, Georg Siegmund von Künsberg auf Wernstein. Die beiden kamen dann auf die Universität nach Altdorf und traten danach mit ihrem Praeceptor 1607 eine längere Reise durch Italien und Frankreich an. 1602 wurde ein Witwenvertrag abgeschlossen, worin der Mutter das Wohnrecht in Schloß Thurnau zugebilligt wurde. Wenn die Söhne das mannbare Alter erreicht hätten, und das Schloß Thurnau bewohnen wollten, so sollte die Mutter eine andere, angemessene Wohnung im Markte Thurnau erhalten. Georg Wilhelm hatte nach seiner Rück-kehr von den Reisen Gefallen am Kriegshandwerk gefunden und trat in markgräfliche Dienste. 1613 einigten sich die beiden Brüder dahin, daß Georg Wilhelm Thurnau bewohnte und das Schloß zur Nutznießung erhielt, während Hans Heinrich seinen Wohnsitz in Wernstein nahm. Georg Wilhelm war auch Ganerbe auf dem Rotenberg.
Er war als Brandenburgischer Hauptmann bis 1632 beim Markgrafen tätig und nahm auf dessen Seite am Dreißigjährigen Krieg teil. 1643 starb er, 53jährig in Thurnau und liegt in Limmersdorf begraben. Im Jahre 1620 schon wurden Georg Wilhelm die Pfarreien Thurnau, Limmersdorf, und Hutschdorf zugesprochen. Von seinen 10 Kindern übernahm Valentin Georg das Erbe Thurnau.
Georg Wilhelm Bild folgt.
Hans Heinrich Bild folgt.
RITTERGUT UND SCHLOSS ERMREUTH KOMMT ZUR FAMILIE KÜNSBERG - THURNAU
Der 1617 geborene Valentin Georg wurde 1654 zum Burggrafen auf dem Rotenberg gewählt. Er war Lehensgerichtsassessor in Bamberg, 1644-68. Er stach einen Hofjunker wegen Erbrechung eines Briefes nieder und kam mit einer Geldstrafe davon. Er vermählte sich zu Thurnau 1647 mit Dorothea Margareta von Giech. Als Valentin Georg Burggraf auf dem Rotenberg war, sah er von dort am Abend oft auf das Schloß Ermreuth mit seiner schönen Umgebung, und er betrachtete es, wenn es in seinem romantischen Kesseltale von der Morgensonne beleuchtet wurde. So entstand in ihm der Wunsch, es als Eigentum zu besitzen. Es gehörte vorher der Familie Egloffstein; er erwarb es 1649. Das Amtshaus neben dem Schloß zu Ermreuth ziert heute noch sein Wappen. Valentin Georg verstarb schon mit 50 Jah-ren 1667 und wurde in Limmersdorf beigesetzt.
Schloß Ermreuth Bild folgt.
EIN NEUER FAMILIENAST ERMREUTH ENTSTEHT
Der 1653 auf Thurnau geborene Georg Friedrich erhielt bei der Erbteilung mit seinem Bruder Ermreuth. Die neue Familienlinie Ermreuth sollte nun 75 Jahre bestehenbleiben. Georg Friedrich war kaiserlicher Rat, Brandenburgischer und Bambergischer Edler, Ritter, Lehensgerichtsassessor und Oberamtmann zu Creglingen. Durch Heirat mit einer verwitweten Adelshofen, einer geborenen von Truchseß zu Wetzhausen, erwarb Georg Friedrich das Gut Adelshofen und Hagenbach. 1712 verstarb Georg Friedrich, und sein Sohn Georg Friedrich II. setzte die Linie fort. Dieser war Brandenburgisch-Ansbachischer Oberhof-marschall und Oberamtmann zu Cadolzburg und kam als Gesandter zur Krönung Georgs II. von England. Die Linie Ermreuth erlosch dann mit Karl Wilhelm Friedrich, einem Deutschherrenritter in der Ballei Mergentheim, der 1763 verstarb, worauf der Emeuther Besitz an die Hauptlinie Thurnau zurückfiel.
HOHE KAISERLICHE ANERKENNUNG WEGEN TAPFERKEIT
Der Bruder des Gründers der Ermreuther Nebenlinie war Hans Cristoph auf Thurnau, der 1657 auf dem Thurnauer Schlosse zur Welt kam. Dieser übernahm bei der Erbteilung das Thurnauer Erbe. Hans Christoph war Rittmeister der Leibkompanie des Markgrafen Christian Ernst und nahm an der Befreiung Wiens von den Türken teil, zusammen mit sieben anderen Künsbergen. Er war dann Amtshauptmann zu Kulmbach 1695 und machte 18 Feldzüge und 21 Schlachten mit. Für seine Tapferkeit wurde er vom Kaiser Leopold in den Freiherrnstand erhoben und erhielt ein erweitertes Familienwappen zusammen mit seinem Bruder im Jahre 1691 . Schon mit 39 Jahren verstarb Hans Christoph und wurde in Limmersdorf beigesetzt.
DER THURNAUER BESITZ GEHT VERLOREN
Der 1695 zu Kulmbach geborene Euchar Karl Ferdinand übernahm das Thurnauer Erbe. Er besuchte in Erlangen die Ritterakademie. Diese Ritterakademie wurde vom Markgrafen Christian Ernst 1699 gestiftet und diente der geistigen und sportlichen Ausbildung der jungen Adeligen. Diese Ritterakademie kann als Vorläufer der Erlanger Universität betrachtet werden und ist auch später in dieser aufgegangen. Euchar Karl Ferdinand wurde dann Großbritannischer Kammerherr und Ritterrat des Kantons Gebürg und war mit der Oberhofmeisterin einer Prinzessin zu Sachsen-Weimar vermählt. Er verkaufte 1731 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten das Schloß und den Markt Thur-nau an die Familie Giech. Thurnau war nun fast 201 Jahre im Mitbesitz der Familie Künsberg. Euchar Karl Ferdinand liegt in der Stadtkirche zu Bayreuth begraben. Eine Tochter Wilhelmine war mit einem Grafen Mirabeau verheiratet, einem Neffen des großen Staats-mannes aus der Französischen Revolution.
NEUER BESITZ IM STEIGERWALD
Zwei Söhne des Euchar, nämlich der spätere Oberhofmeister bei der verwitweten Markgräfin von Bayreuth und Ordensritter des Johan-niterordens, Hans Friedrich Franz Christian und Friedrich Karl Lud-wig Ernst, ein Württembergischer Oberhofmeister und Ritter des Ro-ten Adlerordens, erbten nun Gut und Schloß Ermreuth, da diese Linie ausgestorben war. 1765 kauften die beiden Brüder das Gut Obersteinbach im Steigerwald. Das alte Schloß wurde abgerissen und neu aufgebaut und die Wirtschaftsgebäude in Stand gesetzt; ebenso wurde die Schäferei neu hergerichtet. Obstbaumkulturen wurden an-gelegt und der Forstbetrieb nach den neuesten Erkenntnissen durch-geführt. Es wurde auch eine Salz- und Eisenniederlage eingerichtet, und es entstanden neue Schneid- und Stoßmühlen. Ein Enkel des Friedrich Karl Ludwig, nämlich Uso von Künsberg, verkauft den Ober-steinbacher Besitz wieder. Der 1810 zu Ermreuth geborene Uso war Doktor beider Rechte und Mitglied der Forst- und Jagdsozietät zu Dreißigacker und deutscher Ordensritter, aufgeschworen in der Ballei Utrecht in den Niederlanden. Dieser Uso schrieb 1838 die Geschichte der Familie Künsberg-Thurnau, die als Manuskript gedruckt vorliegt. Von der Patrizierfamilie zu Nürnberg, den Holzschuhern, erwirbt Uso Gut Festenbergsgereuth 1838. 20 Jahre später kauft er noch Güter in österreichisch Galizien. Uso starb 1875 zu Bamberg. Ein Enkel des Uso war Professor der Rechtswissenschaft an der Preußischen Akademie der Wissenschaften und lehrte an der Universität Heidelberg. Er war Schriftleiter des deutschen Rechtswörterbuches und ist im Brockhaus erwähnt. Er starb 1941 in Heidelberg und ist in der Erbbegräbnisstätte zu Veitlahm beigesetzt; seine Witwe lebt noch heute in Heidelberg. Nachkommen dieses Eberhard Georg Otto finden sich in London unter dem Namen Kingsley. Mitglieder der Linie Künsberg-Thurnau leben auch noch in Bad Homburg und im Salzburgischen.
IN HOHEN DIENSTEN BEIM MARKGRAFEN CHRISTIAN
Der Bruder des Georg Wilhelm, Thurnau, Hans Heinrich sen., gründete die Linie Wernstein - Nagel - Hain - Tüschnitz. Er ward 1591 in Thurnau geboren und verstarb 1644 zu Wernstein. Seine reifen Mannesjahre fielen in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in welcher die Markgrafschaft Bayreuth viel zu leiden hatte. Mit Markgraf Georg Fried-rich war de fränkische Linie der Zollern ausgestorben. Zwei Prinzen aus dem Hause Kur-Brandenburg übernahmen die beiden Markgraf-schaften. Die Markgrafschaft auf dem Gehörig. Bayreuth- Kulmbach. bekam Christian und das Untergebürg, das Ansbacher Gebiet. Joachim Ernst. Joachim Ernst wurde ein tapferer Kriegsmann und wurde später von der Protestantischen Union zum Feldherrn aller Vasallen beider Fürstentümer ernannt. Christian war ein guten Landesvater und Beschützer seiner Ritterschaft. Er trat im Jahre 1603 seine Regierung in Kulmbach an. Aus Brandenburg hatte er seinen Kanzler Hendrich von Varell mitgebracht. Dieser erhielt später Besitzungen in Trebgast und Untersteinach. Grabtafeln den Familie Varell finden sich heute noch in Untersteinach an der Kirche. Bald verlegte Christian seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth, da die unter Albrecht Alci-biades zerstörte Blassenburg noch nicht wieder ganz hergestellt war. Bei einem Schloßbrand in Bayreuth 1605 und dann wieder 1621 kehrte der Markgraf vorübergehend nach Kulmbach zurück. Christian war ein eifriger Verfechten des Protestantismus und schlug sich 1631 zu Gustav Adolf von Schweden. Als Hans Heinrich nach seinen Studien in Altdorf und einer Reise durch Italien zurückkehrte, widmete er sich gleich dem Zivilstaats-dienste in der Markgrafschaft. Der Kanzler Varell erkannte bald seine vorzüglichen Fähigkeiten und bildete ihn im Fach der Landesverwal-tung aus. Beim Großen Landtag in Kulmbach 1610, wo wichtige Fra-gen der Landesverteidigung, der Steuererhöhung und der Einteilung der Städte in Haupt- und Nebenstädte verhandelt wurden, war Hans Heinrich schon maßgebend beschäftigt. Im selben Jahr heiratete Hans Heinrich und wohnte zunächst in Goldkronach und dann im Schlosse Schmeilsdorf, wo Zwillinge zur Welt kamen, die seiner Frau das Le-ben kosteten. Er vermählte sich bald zum zweiten Male und zog auf seine Burg Wernstein. Seine zweite Gemahlin war die Tochter des Dietrich von Streitberg zu Burggrub. Bald gab es Streitigkeiten mit dem Markgrafen wegen des Patronats der Künsbergischen Pfarreien Harsdorf und Emtmannsberg, die aber zu Gunsten der Künsberge en-deten. Hans Heinrich mußte dem Markgrafen zugestehen, daß das vorn Onkel Georg Siegmund ererbte Wernstein bei dessen Tod "aus beson-derer Gnade" wieder verliehen wurde. Hans Heinrich, der nun durch seine Erbschaften und zwei Heiraten sehr vermögend geworden war, war nun darauf bedacht, seinen Besitzstand zu sichern und zugleich neues Eigentum zu erwerben. Er kaufte laut Urkunde 1621 von Julius von Seckendorf auf Ebneth die Gült und Zins des Weingutes Sülzfeld im Würzburgischen als Mann- und Weiberlehen. Zuvor. 1617, hatte der Markgraf ein großes, 100-jähriges Reformationsjubelfest in Bay-reuth gefeiert. 1620 kamen schon Flüchtlingsströme durch das Mark-grafengebiet aus Böhmen. Es erfolgten auch Truppendurchzüge, und die Kroaten führten häufig Plünderungen durch.
VERLEIHUNG DES ERBMARSCHALLAMTES
Das Erbmarschallamt des Burggrafentums Nürnberg oberhalb Gebürgs hatte Jörg Förtsch zur Thurnau als Brandenburgisches Rittermanns-lehen innegehabt. Bei seinem Ableben ist es dem Hause Brandenburg heimgefallen und zunächst unbesetzt geblieben. 1623 fand sich Markgraf Christian bewogen, dieses gewichtige Amt dem Hans Heinrich von Künsberg zu Wernstein zu verleihen. In dem Lehensbriefe vom Mai 1623 heißt es hierüber wörtlich: "Urkunden demnach, daß wir Hans Heinrichen von Künsberg zum Wernstein um der getreuen Dienste willen, die seine Voreltern uns und unseren Vorfahren gelei-stet, auch er und die Seinen uns künftig noch tun können und wollen, obgedacht Erbmarschallamt neben 20 000 Gulden, wie auch das Haus zu Kulmbach, so zwischen unserem Amtshaus gelegen und der von Künsberg erkauft und uns zu Lehen aufgetragen, gnädig verwilliget, aufgetragen und geliehen haben." Hans Heinrich war für die damalige Zeit ein reicher Mann; er hatte ständig Gelder auf dem Losungsamte vorrätig liegen und half öfters der Landesregierung vorschußweise aus. So mußte er in den Jahren 1627 und 28 zur Unterhaltung der im Unterland einquartierter Kriegsvölker mehrmals Geldvorschüsse machen.
ZEIT DER GEGENREFORMATION IN FRANKEN
Ab 1623 regierte Fürstbischof von Dornheim in Bamberg. Unter seiner Herrschaft fanden noch häufig Hexenverbrennungen statt. Er betrieb mit großem Eifer die Rekatholisierung in seinem Gebiet, denn auch im Fürstbistum hatte der Protestantismus große Verbreitung gefunden, besonders unten der Ritterschaft. Burgkundstadt war bis Ende des 16. Jh. rein evangelisch. Burkersdorf wurde 1652 wieder protestantisch. Die Pfarrei Küps, die 1302 von Herrmann von Redwitz gestiftet wurde, ward 1649 wieder protestantisch. Der Kirchenneubau in Küps erfolgte 1611 durch Ernst von Redwitz; nach 1649 hielten die Katholiken ihren Gottesdienst in der Redwitzschen Schloßkapelle ab, bis zum Neubau der jetzigen Kirche, 1931. Kulmbach war schon 1520 weitgehend evan-gelisch geworden. Der katholische Mittelpunkt Kulmbachs war der Mönchshof der Langheimer. 1622 erwarb Markgraf Christian noch die Herrschaft Lauenstein.
BESITZERWERB DER KÜNSBERGE IM HEUTIGEN KREISGEBIET VON KRONACH
Am 16. April 1625 kaufte Hans Heinrich das freieigene Gut Nagel mit Gebäuden, Kemnaten, Wassergraben, Hölzern, Feldern, Wiesen, Fischweihern, Gülden, Zinsen, Untertanen, Lehensleuten, Schäfereien, Zehn-ten Jagden, Erbrechten und Gerechtigkeit zu 20 000 Gulden von den Allodialerben des Wolfgang Heinrich von Redwitz auf Tüschnitz, Schmölz und Nagel. Dieser Edelsitz wird die "Neue Kemnat" genannt. Damit wollte sich Hans Heinrich einen Besitz im Bambergischen sichern, der ihm wertvoller erschien, als der Besitz im ständig bedroh-ten Bayreuther Land. Er legte damit auch das von seinem Onkel Siegmund ererbte Geld an. Zu diesem Besitz kam noch eine Schenke in Nagel und eine in Oberlangenstadt. Die katholischen Einwohner von Nagel pfarrten nach Marktgraitz, die protestantischen nach Schmölz. Im November' 1626 kaufte Hans Heinrich sen. das nicht weit von Nagel entfernt gelegene Bambergische Rittermannslehensgut Tüschnitz mit Gebäuden und Maierhöfen von Veith von Redwitz zu Küps-Theisenort
Bild folgt. Schloß Nagel
Bild folgt. Schloß Tüschnitz
Der Sohn des Hans Heinrich, Georg Christoph, hatte noch zu Lebzeiten des Vaters das Verwaltungsrecht und die Nutznießung über Tüschnitz und Nagel erhalten. Dazu erwarb Hans Heinrich noch Güter und Höfe zu Rodach, Seidenhof und Rotwind, seine Frau erstand den halben Dorfzehnten zu Danndorf. Die beiden Schlösser Nagel und Tüschnitz waren mit einen Wassergraben umgeben, in dem später Fischzucht betrieben wurde. In Nagel standen nur einige armselige Frohnbauernhütten aus Lehm, mit Stroh bedeckt, desgleichen in Oberlangenstadt. Die Gegend um Nagel war eine ununterbrochene Waldgegend am Bergfuß, wo sich ein großer Weiher, "See" genannt, befand. Die Rodach hatte bei Oberlangenstadt eine große Kiesbank angeschwemmt, die später zu dem Park der Künsberge umgewandelt wurde. Durchs Tal führte eine Straße, die durch Wald und Sumpf begrenzt war. Die Zeit wahr unsicher, und man konnte nur mit Bewachung zu Pferde reisen. 1625 hatte Hans Heinrich von der Familie Schaumberg zu Strößendorf den freieigenen Dorfzehnten von Küps gekauft, ebenso 1626 fünf Lehensleute und Lehensgefälle zu Schwürbitz.
ZUM LANDSCHAFTSDIREKTOR ERNANNT
In welch großen Ansehen der Erbmarschall Hans Heinrich stand, und welches Vertrauen sein Landesfürst auf ihn setzte, ist daraus zu ersehen, daß 1629 bei einem Landtag in Kulmbach ein Landschaftsdirektorium errichtet wurde. Wobei Hans Heinrich zum Landschaftsdirektor ernannt wurde und ihm drei Räte, ein Obereinnehmer und ein Sekretär beigegeben wurden. Dieses Amt war die oberste Behörde in Grundstücks und Steuerfragen. Indessen war Hans Heinrich mit 40 Jahren zum zweiten Male Witwer geworden. Seine Frau starb im Wochenbett, nachdem, sie ihm vierzehn Kinder geboren hatte. Von den vierzehn Kindern wahren noch sieben am Leben. Die Säuglingssterblichkeit war damals enorm hoch. Die dritte Ehe ging er 1631 mit einer von Zobel ein, die ihm noch sieben Kinder gebar.
Bild Hans Heinrich
NOT UND ELEND IM BAMBERGER UND BAYREUTHER LAND
Der verderbliche Krieg hatte schon 13 Jahre lang großen Schaden angerichtet, durch die Durchmärsche kaiserlicher und schwedischer Kriegsvölker. Die schlimmste Zeit war die von 1631- 1634 in unserem Gebiet. Nachdem sich Markgraf Christian dem Schwedenkönig angeschlossen hatte, stellte ihn dieser für die fränkische Ritterschaft einen Schutzbrief aus, der aber später die Plünderungen auch nicht verhindern konnte. In der schlimmsten Zeit flüchtete der Markgraf nach Dresden, von wo er häufig an die Räte von Kulmbach und Bayreuth, an deren Spitze der Erbmarschall und Landschaftsdirektor Hans Heinrich stand, schrieb, und ihnen Verhaltensbefehle erteilte. Hans Heinrich von Künsberg stand beim König Gustav selbst in hoher Gnade, so daß dieser seinen Sohn Adolf August im August 1632 auf der Plassenburg aus der Taufe hob. Hans Heinrich hatte dem König 10 000 Reichstaler aus seinem Vermögen zur Förderung der Werbungen vorgeliehen, das Geld hatte er niemals wieder erhalten. 1632 belagerte Wallenstein die Blassenburg. Kulmbach und die Burg leisteten tapferen Widerstand. Dabei fiel der 19jährige Sohn des Hans Heinrich, Georg Christoph, als Kompanieführer. Nachdem Wallenstein abgezogen war, machten die Bamberger von Kronach und Burgkun-stadt aus häufig Einfälle in das markgräfliche Gebiet. Sie fielen auch in den Rodachgrund ein, umringten das Künsbergische Schloß Tüsch-nitz, erstürmten es, machten die Verteidiger nieder und zerstörten das Schloß von Grund auf. Zu ihrem Schutze nahmen Hans Heinrichs Söhne den schwedischen Oberleutnant von Rosen im Schloß Wernstein auf, welcher mit seinen Leuten den Bambergern großen Schaden zu-gefügt hatte. Zur Vergeltung rückte nun der Kommandant von Forch-heim, Friedrich von Schleez, im November 1632 mit 800 Mann zu Roß und zu Fuß und einem Feldstücke mit dem Bamberger Landvolke den Maingrund hinauf. 300 markgräfliche Bauern bewaffneten sich und stellten sich unter Anführung des Müllers von Metzelsdorf, Heinrich Büttner, bei dem Dorfe Schwarzach den Feinden kühn entgegen. Die Einheimischen wurden jedoch geschlagen und flohen in Richtung Wernstein. Doch auf dem Wege dorthin wurden sie von den feindlichen Reitern eingeholt und größtenteils niedergemetzelt. Schwarzach wurde In Brand gesteckt, 130 Tote begruben die Greise in Schwarzach und Schmeilsdorf. Nun brannte Schleez die Schlösser Wernstein und Schmeilsdorf nieder und zog dann vor Kulmbach, wo er aber von dem Kommandanten Muffel mit Verlust zurückgeschlagen wurde. 1633 verheerten die Kroaten die Kulmbacher Umgebung; in der Stadt herrschte die Pest, an der auch ein 20jähriger Sohn des Hans Heinrich verstarb. Künsberge wohnten damals in dem noch heute erhaltenen und 1530 erbauten Künsbergschlößchen in Kulmbach. 1632 hatten die Kaiserlichen auch acht Tage lang Thurnau geplündert. Ein Jahr dar-auf ein zweites Mal. 1634 kam noch die Pest über den Ort. Auch Bay-reuth, wo 1632 die Pest wütete, wurde restlos ausgeplündert, noch totaler als vorher im Hussitenkrieg. Bei dem dreimaligen Versuch der Schweden 1632-34 Kronach zu erstürmen waren die Markgräflichen beteiligt. Die Kronacher rächten sich durch Plünderungen von Seibels-dorf, Untersteinach und Ludwigsstadt. Die Feste Forchheim, das süd-liche Gegenstück zur Veste Rosenberg, hielt ebenfalls 1633 den Erstürmungsversuchen der Schweden stand. 1634 wurde auch Langheim von den Schweden geplündert, da die Mönche geflüchtet waren. 1639 ver-heerten die Schweden nochmals das fränkische Gebiet. Erst dann trat in Franken wieder Frieden ein. Der Markgraf trat dem Prager Frieden bei. Er stellte die im Krieg zu Fall geratenen Kollegien wieder her, und so wurde dem Erbmarschall Hans Heinrich abermals die Direktion des Landschaftwesens übertragen, uni dasselbe wieder in Ordnung ~u bringen. Er wurde auch häufig während des Krieges vom Markgrafen als Gesandter gebraucht und zwar an die Kreisstände und zu mehreren kaiserlichen Feldherrn wie Tilly und Wallenstein, und war 1641 als Gesandter in Regensburg. Er wurde auch Königlich-Schwedischer Rat betitelt, und war als Administrator der katholischen Güter im Mark-grafentum Bayreuth tätig.
Künsberg-Schlößchen in Kulmbach Bild folgt.
TESTAMENT UND NACHLASS DES HANS HEINRICH
Der Erbmarschall machte im Oktober 1642 zu Kulmbach ein umfassendes Testament, Eine Stelle aus dem Testament lautet: "Uns sinde-malen uns in Heiliger Schrift auferlegt und zwar ernstlich befohlen von denen uns von Gott bescherten Gütern, die Armen- und Gotteshäuser zu bedenken und aber meiner zuvorhero Gottes des Allmäch-tigen milden Segen wohlerträgliche Güter wegen bis da unseeligen, höchstgefährlichen und verderblich geführten Kriegswesen in solche Deterioration geraten, daß nicht allein die Gülthofzins, Zehnten und andere Gefälle, sondern auch noch ganze Kommunen und Dörfer in Totalruin begriffen und die vorigen Mannschaften durch Hunger, Kummer, Pestilenz, Schwert und unserer Sünden willen von dem gerechten Gott über uns verhängte Landplagen wegkommen."
Hans Heinrich starb ganz unvermutet am Schlagfluß im April 1644 im 54. Lebensjahr zu Wernstein. Seinem Wunsche gemäß wurde er in der Familiengruft der Kirche zu Veitlahm beigesetzt. Er hinterließ eine Witwe mit 13 Kindern, die ihm von den 21 geblieben waren. Sein Nachlaß bestand aus Schloß Wernstein mit Brauhaus und Kirche (dieser Besitz war schwer beschädigt), dann aus dem Rittersitz Hain, der von einem Wassergraben umgeben und markgräfliches Lehen war, dem Rittersitz Schmeilsdorf und dem neu erkauften Thurnauer Lehen; Schmeilsdorf war in Asche gelegt. Er hinterließ das Schloß Tüschnitz mit Wassergraben, Stall, Keller und Brauhaus als Bambergisches Le-hen; es war in Asche gelegt. dann enthielt das Erbe das Erbmarschall-amt mit 20 000 Gulden jährlich, ferner die neue Kemnat Nagel, die baufällig war, fünf Untertanen zu Schwürbitz, das Weingut zu Sulzfeld und die Rackensteiner Lehen. Im Bambergischen gelegen waren noch ein Hof zu Polz, zwei Höfe zu Reuth, die Zehnten von Hain, Mainleus, Küps und Danndorf, es gehörten zum Erbe noch Teile von Schnabelwaid und Schernau. Das Haus zu Bamberg wurde abgebrochen.
Gut Seehof war verwüstet und verkauft. Zum Erbe kamen noch zwei Mühlen in Mainleus und Rottwind, die Fischrechte im Main und im Weiher zu Seidenhof. Zu Wernstein war damals auch ein Weinberg vor dem Schloß. Es wurde noch Most bereitet. Ferner besaß Hans Heinrich zwei Höfe zu Wilmersreuth und zu Hain, zu Effelter und Windisch-Gehaig. Zu Sclrmeilsdorf gehörten noch Schäfereien, Jagden und Schenken. Pfarrei- und Schulpatronate lagen über Schwarzach, Wilmersreuth und Veitlahm mit der Schloßkirche. Gericht lag über Schwarzach, Kirchweihschutz über Schwarzach-Mainleus, Schimmendorf und Danndorf. Zu Tüschnitz gehörten Baumgärten, ein Bienengärtlein, zehn Tagwerk Wiesen, Fischerei im Schloßgraben und das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Schmölz mit Schule. Zu Nagel gehörten Weiher, Obstgarten und 7 Untertanen. Auch ein Zehnter von Eichenbühl und Hummenberg, eine Schenke zu Oberlangensladt und Äcker auf der Hall kamen zum Erbe.
Drei Jahre nach dem Tode des Hans Heinrich wurde die brüderliche Erbteilung vollzogen. Sie fand 1647 in dem Familienhause. dem Kuns-bergschlößchen zu Kulmbach, statt, wo zahlreiche Verwandte anwesend waren. So Seckendorfe, Streitberge. Waldenfelse, Marschalke von Ebneth, Christoph von Thüna und auch der Obristlieutnant und Kom-mandant der Veste Plassenberg, Friedrich von Muffel und die Küns-bergischen Vettern zu Thurnau. In der Erbteilung erhielt Wernstein und das Erbmarschallamt der Sohn Georg Christoph, Schmeilsdorf bekam durchs Los Christoph Joachim, Hain kam an Adolf August, Tüschnitz an Julius Hektor und Nagel erhielt Hans Heinrich jun., so daß fünf neue Farnilienlinien entstanden Nachdem das Wittum der Mutter festgesetzt und die Angelegenheiten der noch lebenden drei Töchter geordnet waren, wurde der Rezeß unterschrieben und versiegelt. Dann schritt die Versammlung zum Gastmahle in der Trinkstube, wobei "die mannnfesten und Wohledel-geborenen sich gar weidlich getan und den Becher haben kreisen lassen". Als aber der Hirsch aufgetragen wurde, mitsamt dem Geweih, hat der alte Waldenfelser auf den Tisch geschlagen und den Spruch getan: "Sintemal heut' gepflanzt werden fünf edle neue Zweige, so trink ich die Runde auf ihr Gedeihen zum Schutz und Schirm der lutherischen Lehre der Freien Ritterschaft und des eigenen, uralten Stammes der Künsberger", worauf die Becher klangen als wie bei des Markgrafen Gelag.
Teil I.Teil III.
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