Die von Künsberg - Teil I. Die Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechtes von Dr. Albert E l s t n e r
Von der frühesten Zeit an aber haben die Adelsgeschlechter durch ihren Einfluß die Geschichte des Frankenwaldes geprägt, haben sie die Entwicklung bis in unsere Tage beeinflußt und. Aus dem stillen Nortwald sind Im-pulse hinausgegangen in die Welt. Dr. Albert Elstner aus Küps hat in jahrelanger Forschungsarbeit die Geschichte des Geschlechtes der von Künsberg nachgezeichnet, hat ihr Werden, ihr Wirken und ihre Bedeutung nicht nur für den engeren Bereich der Heimat, sondern dar-über hinaus oft auch für die Reichsgeschichte dargestellt.
Im 12. Jh. traten im damaligen Radenzgau, dem heutigen Oberfran-ken, bedeutende Veränderungen in den Besitzverhältnissen ein: Alte Geschlechter, die bisher die Macht innehatten, starben aus. So die Herren von Schlüsselberg, deren Stammsitz in Adelsdorf a. d. Aisch lag, und die auch die Burg Greifenstein und Blankenstein in der Frän-kischen Schweiz besaßen, die Walpoten, die Zwernitz, Berneck und Trebgast innehatten, die Henneberger, die im Grabfeldgau und bei Stadtsteinach mit der Burg Nordeck begütert waren, und nicht zuletzt die Grafen von Schweinfurt, die auch in Kronach und Creußen be-festigte Plätze besaßen. Teile dieser Besitzungen gliederte Kaiser Hein-rich II. bei der Gründung des Bistums Bamberg 1006 in das Bistumsgebiet ein. Mitte des 12. Jahrhunderts gelangten die Grafen von An-dechs-Diessen, die späteren Herzöge von Meranien, durch Heirat in den Besitz des früheren Schweinfurt-Kulmbacher Gebietes. Ein Graf Berthold von Andechs war 1135 im Besitz einer Burg Blassenberg, die hinter der heutigen Plassenburg lag, am sog. Koppenhof, auf dem Leuchtberge. Der Graf nannte sich zunächst Graf v. Blassenberg. Erst ein Nachfolger dieses Berthold, nämlich Otto II., Herzog von Meranien, baute eine neue Burg an der Stelle, an der die heutige Plassenburg steht. Über 100 Jahre lang dauerte die Herrschaft dieses bedeutenden Geschlechtes der Meranier in unserem Gebiet. Die Herzöge von Mera-nien gehörten zu den führenden Gliedern des Reichsfürstenstandes. Kulmbach, Hof, Bayreuth und die Herrschaft Blassenburg waren Kern-punkte ihrer Macht. Sie trugen Lehen des Hofstiftes Würzburg und waren Vögte der Klöster Banz und Langheim und lange Zeit Bischöfe im Bistum Bamberg, von 1102-1242. Der große Kaiserdom zu Bamberg zeugt sowohl für dieses bedeutende Reichsbistum, als auch für das Geschlecht der Andechser, dessen Sproß Bischof Eckbert seit 1203 Bau-herr dieser berühmten Kultstätte war. Im Münster zu Langheim hatten die Meranier ein Erbbegräbnis. Heilige aus diesem Hause waren die Hl. Hedwig von Schlesien, die El. Elisabeth von Thüringen; eine Toch-ter aus dem Hause, Gertrud, war Königin von Ungarn und Agnes Kö-nigin von Frankreich. Berthold von Meranien war Patriarch von Aquilea und dadurch der zweithöchste Klrchenfürst neben dem Papst, während Heinrich Markgraf von Istrien war.
REICHSFREIE ADELIGE Mit dem Auftreten der Meranier in unserem Gebiet beginnt nun auch die urkundlich nachweisbare Geschichte vieler Rittergeschlechter, wie der Guttenberg, der Egloffstein, der Seckendorf, der Redwitz, der Aufesse, Weidenberg, Frösche von Thurnau, Schaumberg, Schaufenstern, Streitberg, Wirsberg und Kinsberg. Diese reichsfreien Adeligen treten nun als Ministeriale ihrer Dienstherren auf. Die Ministerialen hatten die Burgen zu verwalten und waren in höheren Verwaltungsämtern eingesetzt. Sie legten sich damals vielfach in der Mitte des 12. Jahr-hunderts die Namen der Burgen ihrer Dienstherren zu. So bestand neben dem Fürstengeschlechte der Blassenberge im 12. Jahrhundert auch ein Rittergeschlecht gleichen Namens, das mit dem Fürsten-geschlecht aber nicht verwandt war. Aus diesem Rittergeschlecht derer von Blassenberg entwickelten sich wahrscheinlich die Linien der Kins-berg, der Weidenberg, der Guttenberg und eine eigene Linie der Blas-senberg; diese starb im 17. Jahrhundert aus. Die Gleichheit der Wap-pen spricht dafür. Die Ministerialen der Grafen von Blassenberg führ-ten nämlich im Wappen einen spitz sich erhebenden silbernen Berg im roten Felde, dasselbe Wappen hatten die Weidenberg wie auch die Kinsberg; diese jedoch mit dem Unterschied, daß sie den silbernen Berg im blauen Feld führten.
FAMILIENCHRONIK Die Geschichte derer von Künsberg ist in einer I6-bändigen Familienchronik dargelegt. In Schenkungs- und Stiftungsurkunden der Mera-nier und später der Orlamünder an die Klöster Langheim, Himmel-kron und Speinshart finden sich immer wieder als Zeugen Künsberge. Auch in den alten Turnierlisten tritt der Name Künsberg sehr häufig auf. In den Urkunden der Bistümer Bamberg, Würzburg, Eichstätt und Regensburg finden sich Künsberge. Bei vielen Kriegszügen der Meranier und auch bei Kreuzzügen waren Künsberge dabei.
BURG KINDESBERG BEI CREUSSEN
Bild folgt.
Der Edle Eberhard von Blassenberg, genannt Puer das Kind, wird erstmalig urkundlich erwähnt als Herzog Otto 1. von Meranien im Jahre 1216 sein Praedium Langenstadt dem Kloster Langheim schenkt. Dieser Eberhard wird ab 1229 als Besitzer der Burg Kindesberg bei Creußen urkundlich erwähnt und nennt sich nun Eberhard 1. von Kindesberg. 1223 nennt Herzog Otto 1. von Meranien in einer Urkunde Eberhard seinen Ministerialen. Als 1244 Herzog Otto II. von Meranien das Schloß Arnstein an Eberhard Förtsch von Thurnau zu Lehen gibt, finden sich als Zeugen neben dem Grafen Hermann von Orlamünde auch Eberhard und seine beiden Söhne urkundlich. Außer der urkund-lich nachgewiesenen Burg bei Creußen werden noch Künsberg-Burgen bei Eger, in Schlesien, in Österreich und Preußen genannt.
Die Burg Kindesberg lag eine halbe Stunde nordöstlich von Creußen an dem östlichen Abhang eines sich von Norden nach Süden erstreckenden Höhenzuges, der die Wasserscheide des Roten Mains und der Ölschnitz bildet. Von dieser Burg besteht noch ein uraltes Bild. Sie hatte einen engen Hof, einen hohen, runden Turm, eine Zugbrücke führte über eine tiefe Schlucht zu einem nahen Vorwerk, Hag genannt. Heute sind nur noch wenige Überreste vorhanden. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts herrschte in Deutschland das Faustrecht. Es war die Kaiserlose Zeit oder das Interregnum. Die Burgen wurden deshalb meist in sehr schwer zugänglichen Gebieten errichtet und mit Wassergräben umgeben, so auch diese Burg Kindesberg. Die Dienstherren des Eberhard 1. von Kindsberg waren die Meranier Otto 1., Otto II. und ab 1260, als das Meranierhaus ausgestorben war, die Burggrafen von Nürnberg, Friedrich III. aus dem Hause Zollern. an den das Erbe der Meranier gekommen war. Eberhard 1. erlebte die Ermordung des Kö-nigs Philipp von Schwaben in Bamberg 1218, wo eben ein Meranier Fürstbischof war. Er nahm am Kreuzzug 1218 mit seinem Lehnsherrn Otto von Meranien teil und erlebte auch den Untergang des Mera-nischen Hauses 1248, wo der letzte Meranier, Otto II., auf seiner Burg Nisten bei Weismain verstarb. Eberhards Nachfolger bzw. Söhne waren Eberhard II. und Ramung 1., die auch urkundlich nachgewiesen sind. Die Söhne werden schon Burggräfliche Ritter genannt. Eberhard II. stand ebenfalls unter dem Lehnsherrn Otto 1. und Otto II. von Me-ranien und dem Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg. Er lebte noch in der Zeit des Interregnums, in der das Raubrittertum vom Kaiser und dem edlen Teil der Ritterschaft niedergekämpft wurde. Eine halbe Stunde von der Burg Kindsberg entfernt liegt gegen Norden auf dem-selben Gebirgsrücken das Pfarrdorf Emtmannsberg, das gleichfalls einer der Ansitze der Kindsberge war. Die Stelle der früher ausgedehnten Burg, die größer als die Burg Kindesberg war, bezeichnet gegenwärtig nur noch ein vorhandener Wassergraben, der die damalige Burg umgab. Hier genießt man wie zu Kindesberg eine weite Aussicht nach Osten in die Oberpfalz, in den früheren Nordgau. Emtmannsberg wurde wahrscheinlich von dem jüngeren der Brüder, Ramung bewohnt, wäh-rend Eberhard II. auf Kindesberg saß. Zwischen den beiden Burgen ging die große Handelsstraße nach Leipzig hindurch, von den Kauf-leuten, die vorbeizogen, wurde Schutzzoll kassiert.
LETZTE GROSSE RITTERSCHLACHT
Von Eberhard 1 von Kindsberg stammen die beiden Brüder Eber-hard III. und Heinrich 1. von Kindsberg ab, welche im Stiftsbriefe des Klosters Himmelkron von 1280 unter den Zeugen neben Eberhard Förtsch vorkommen. Die beiden Brüder werden als burggräfliche Mini-steriale bezeichnet. Eberhard III. war auch zu Krappenroth im Land-gericht Lichtenfels begütert. Die beiden Brüder standen auch mit Sparneck in Beziehung. Als Vasall des Burggrafen Friedrich III. nahm Eberhard III. an den Kämpfen auf Seiten des Kaisers Rudolf von Habsburg gegen König Otokar von Böhmen teil. Er war auch beteiligt an der Schlacht bei Mühldorf 1322, wo König Ludwig der Bayer, ein Wittelsbacher, seinen Widersacher Friedrich den Schönen von Öster-reich schlägt. Dies war die letzte große Ritterschlacht. Im Jahre 1322 erscheinen als Söhne Eberhards III. die Brüder Ramung II., Fried-rich 1., Eberhard IV. und Heinrich II. in Urkunden. Ramung II. und sein Bruder Eberhard IV. wohnten auf der Burg Kindesberg und ka-men mit dem in der Oberpfalz gelegenen Kloster Speinshart in Be-rührung. Sie machten Stiftungen an dieses Kloster'.
EMTMANNSBERG
Der Bruder Friedrich 1. hatte wahrscheinlich die Burg Emtmannsberg inne; wahrscheinlich starb er 1381, er' setzte die Familienlinie Emt-mannsberg fort. Friedrich besaß zusammen mit seinem Bruder' Hein-rich II. schon Güter bei Bärenstein, dem späteren Wernstein. Fried-rich 1. Sohn, Peter, wurde 1395 wieder mit Emtmannsberg belehnt. Sein Sohn Konrad war sehr begütert, was aus einem Lehensbriefe hervorgeht. Zu den Emtmannsberger Besitzungen gehörte auch das Kirchenlehen zu Harsdorf. Dort sind heute noch Künsberg-Wappen am Pfarr-haus zu finden. Weiterhin gehörten Konrad eine Hofstadt in Bayreuth, Besitzungen in Bindlach, in Laineck, in Mainleus und Willmersreuth. Konrad war' 1414 mit seinem Burggrafen Johann beim Konzil in Konstanz. In der Nähe der Burg Emtmannsberg war eine heilige Quelle, die längere Zeit als Wallfahrtsort diente. 1437 wurde Emt-mannsberg an die Brandenburger von Heinrich auf Emtmannsberg verkauft. Die Pfarrechte wurden noch bis 1664 ausgeübt. Heinrich, war Brandenburgischer Rat und Amtshauptmann zu Kulm-bach. Im Leichenzug des Markgraten Friedrich trug er' den roten Schild. Heinrich war mit einer von Waldenfels verheiratet; sein einziger Sohn Georg starb vor ihm. Damit erlosch die Familienlinie Emtmannsberg im Jahre 1487.
ÄBTISSIN IN HIMMELKRON
Der Kreuzgang in Kloster Himmelkron
Die Burg Emtmannsberg wurde 1430 durch die Hussiten zerstört, was wahrscheinlich Heinrich auch zu dem Verkauf veranlaßte. Emtmannsberg ging dann an die Familie von Stein über. Auf dem Kirchturm zu Emtmannsberg befindet sich noch eine Glocke, die von Heinrich von Kindsberg gestiftet ward. Eine Tochter Heinrichs, Elisabeth von Kinds-berg-Weidenberg. Eine Tochter Heinrichs, Elisabeth von Kindsberg, war Äbtissin in Himmelkron. In Himmelkron hatten die Meranier im 12. Jahrhundert eine Burg erbaut, die 1260 als Erbe an die Orla-münder kam. Diese errichteten dort eine Kirche und ein Zisterzienser-kloster für adelige Frauen. Ein schöner Kreuzgang wurde 1473 von der damaligen Äbtissin Elisabeth von Künsberg im spätgotischen Stil erbaut und verbindet die Ritterkapelle mit der Pfarrkirche. Ein Teil dieses Kreuzganges besteht heute noch. Grabmäler der Orlamünder, mehrerer Kindsberge, auch das der Äbtissin von Künsberg, befinden sich in der Kirche. Im Kreuzgang ist ein Relief der' Erbauerin, Elisa-beth, angebracht. In der Ritterkapelle sind mehrere Markgrafen von Kulmbach-Bayreuth bestattet; die Ritterkapelle wurde erst kürzlich wieder weitgehend renoviert. Die zahlreichen Grabtafeln in Himmelkron sind besichtigenswert. In der Ritterkapelle in Himmelkron sind auch Kindsberge als Vasallen der damaligen Orlamünder beerdigt, nämlich die Brüder Hans und Ulrich von Künsberg, die in der Mitte des 15. Jh. lebten und auf Wernstein angesessen waren. Auch Edle von Blassenberg sind dort begraben. So kann man Himmel-kron als das älteste Erbbegräbnis der Kindsberge bezeichnen.
WERNSTEIN
Burg Wernstein Bild folgt.
Nun zurück zu dem Bruder des Gründers der Emtmannsberger Fami-lienlinie Friedrich 1., zu Heinrich II., der als Stifter der Linie zu Kinds-berg Wernstein betrachtet werden muß. Erwähnt sei noch, daß der Bruder dieses Heinrich II., der schon genannte Ramung II., bereits Güter bei Schmeilsdorf besaß. Heinrich II. lebte etwa von 1323-1390. Es war' die Zeit, als in Europa die Pest wütete. Heinrich war Amtmann in Berneck und erhielt die meranische Burg Bärenstein später Wern-stein genannt, zum Wiederaufbau. Er besaß schon Güter um diese Burg. Es war vorher Langheimer Gebiet 1376 stiftete Heinrich die Kirche und die Pfarrei Veitlahm, wo später ein Erbbegräbnis der Kindsberge errichtet wurde. Auch die Kirche im benachbarten Schwarzach birgt Gräber der Familie von Künsberg. Die von Heinrich bewohnte Burg Wernstein liegt in der Nähe von Kulmbach, am Fuße des Patersberges und war ein Bestandteil der Herrschaft Blassenberg welche der Burggraf Johann II. 1340 von dem Grafen Otto von Orlamünde erworben hatte.
Die Burg ist gegenwärtig noch gut erhalten und gewährt besonders von der südwestlichen Seite aus betrachtet, einen wahrhaft großartigen Anblick. Sie gilt als der Stammsitz der neuen Wernsteiner Familienlinie von dieser Burg überblickt man das herrliche Maintal, auf der entgegengesetzten Seite sieht man das Künsberg'sche Dorf Veitlahm und die ehemaligen Edelsitze Schmeilsdorf, Danndorf und Hain. Die Burg Wernstein wurde wahrscheinlich auch im Hussitenkrieg beschä-digt; unter dem Bauernkrieg hatte sie wenig zu leiden, aber im 30jäh-rigen Krieg wurde sie durch die kaiserlichen Truppen schwer' ange-schlagen. Sie wurde 1884 wieder erneuert.
HAIN ÜBERNOMMEN Bild folgt.
Heinrich II. von Künsberg war ein gewichtiger Mann seiner Zeit. Er war oft im Gefolge des Burggrafen Friedrich IV. zu finden. Er er lebte das Aussterben der Orlamünder und den Streit des Burggrafen von Nürnberg mit der Stadt Nürnberg l362-1388. Er war verheiratet in erster Ehe mit einer von Weyers, genannt Els von Eberberg, in zweiter Ehe mit einer Gräfin von Wilkau. Durch seine Sühne wurde die Stammlinie fortgesetzt.
Als Besitznachfolger Heinrich II. auf Wernstein finden wir Ulrich 1., wahrscheinlich einen Neffen Heinrichs, der auch die Güter Wernstein und Schmeilsdorf mit übernahm. Dieser Ulrich lebte etwa von 1360 bis 1418 und gilt als der Stammvater einer neuen Alt-Wernsteiner Fa-milienlinie. Ulrich war burggräflicher Rat und übernahm 1378 das lehnbare Gut Hain von Wolfram von Redwitz. Ulrich begleitete den Burggrafen auf das Konzil zu Konstanz, wo Hus 1415 verbrannt wurde, was sich für die hiesige Gegend sehr verhängnisvoll auswirken sollte. Burggraf Johann III., der Lehensherr Ulrichs, war der letzte Burggraf von Nürnberg. Er residierte ab 1413 auf der Blassenburg. Auf dem Konzil zu Konstanz war er mit 40 fränkischen Rittern anwesend. Dar-unter waren - wie schon gesagt - Ulrich und seine beiden Vettern Georg und Friedrich. Ulrich wurde auch mit den Orten Laineck, Will-mersreuth und Windischenhaig belehnt. Heute noch finden sich die Künsberg-Wappen in der Kirche zu Willmersreuth. 1403 wird Ulrich bei einem Turnier zu Darmstadt erwähnt.
GANERBE AUF ROTENBERG
Von Ulrich findet sich ein schönes Grabmal in der Kirche zu Veitlahm. Den Wernstein-Hainer Besitz übernahm nun der Sohn Ulrichs, Ulrich II. der 1491 noch urkundlich erwähnt wird. Ulrich war auch Ganerbe auf dem Rotenberg. Die Veste Rotenberg hat eine sehr be-wegte Geschichte. Sie hatte viele Besitzer, so die Zollern, den Pfalzgrafen von Bayern, der die Burg an die sogenannten Gan-erben, eine Rittergenossenschaft von 46 Rittern, abgab. 1662 löste sich die Gesellschaft auf und die Burg kam wieder an Bayern. Sie kam dann durch den Kaiser an die Stadt Nürnberg und ist heute fast rest-los verschwunden. Ulrich II. ward in der Ritterkapelle zu Himmelkron beigesetzt. Ulrich hatte einen Bruder, den Edlen Heinz von Künsberg, der das Schmeilsdorfer Erbe übernahm und eine Nebenlinle Schmeils-dorf gründete. Heinz war Amtmann zu Hof und ebenfalls Ganerbe auf dem Rotenberg bei Nürnberg. Auch er liegt in der Ritterkapelle zu Himmelkron begraben. Er war mit einer Seckendorf-Aberdar und spä-ter mit einer Stibar verheiratet
KOMMANDANT AUF FESTE ROSENBERG
Ein Sohn des Begründers der Nebenlinie Schmeilsdorf, mit Namen Sebastian, war Domdechant und Statthalter beim Fürstbischof Wiegand von Redwitz zu Bamberg. Er erlebte die Fehden des Markgrafen Albrecht Alcibiades, auf dessen Seite wahrscheinlich auch Künsberge kämpften. Sebastian mußte damals mit seinem Fürstbischof vor den Kriegsscharen des Alcibiades fliehen. Der Domdechant errichtete ein Stipendium zum Studium für die Kinder des Hauses Künsberg. Das Stu-dium durfte aber nicht im lutherischen Wittenberg erfolgen. Ein Bru-der dieses Domdechanten, Ritter Konrad, lebte zwischen 1477 und 1511, war Amtmann zu Creußen und später Kommandant der Feste Rosen-berg ob Kronach. Er verstarb auf der Ganerbenburg Rotenberg. Die Schmeilsdorfer Nebenlinie erlosch 1544 mit Wolf von Künsberg--Schmeilsdorf.
RÜSTKAMMER BEGRÜNDET
Die Wernsteiner Familienlinie, die wir mit Ulrich II. verließen, wird von Leander fortgesetzt. Er wird 1530 als Ganerbe auf dem Rotenberg genannt und 1486 bei einem Turnier in Bamberg. Er begründet auf seiner Burg Wernstein eine große Rüstkammer. Leander wurde mit seiner Gattin, einer Fuchs von Bimbach in der Kirche zu Veitlahm beigesetzt. Zur gleichen zeit waren die Künsberge beim Fürstbischof zu Bamberg als Domherren, Domdechanten und Vizedome tätig. Nachkommen des Leander heirateten in die Familien Pappenheim, Selbitz und Egloffstein. Von Leanders 9 Kindern übernahm Johann Friedrich, der zwischen 1524 und 1593 lebte, den Wernsteiner Besitz. In seine Lehenszeit fiel die Reformation und der Bauernkrieg. 1519 war Luther in Kulmbach, und ab 1528 breitete sich die Reformation in ganz Franken aus. Viele Ritter wandten sich, dem Beispiel Ihres Markgrafen folgend, der lutherischen Lehre zu; so auch Johann Friedrich. Johann Friedrich zu Wernstein, Hain und Schmeilsdorf war Amtshauptmann des Kulmbacher Markgrafen. Er hatte an den Universitäten Wittenberg und Ingolstadt studiert.
Schloß Thurnau Bild folgt.
Johann Friedrich war mit Ursula Förtsch- Thurnau und Niesten verheiratet und kam dadurch in den Besitz von Halb Schloß und Markt Thurnau, zusammen mit seinem Schwager Hans Georg von Giech. Das Geschlecht der Förtsche starb 1566 ohne männliche Erben aus. Johann Friedrich liegt in Veitlahm begraben. Mit Ihm erlosch die Alt-Wernsteiner Linie. Zu seinen Lebzeiten wurde durch die Ereignisse des Bauernkrieges im Bistum Bamberg durch die Plünderung der Residenz. Und der Archive großer Schaden angerichtet und in der Markgrafschaft Kulmbach die Schlösser Thurnau und Niesten sowie Aufsess, Wildenroth, Strößendorf, Schmölz und Tüschnitz teilweise zerstört.
DREI BURGEN BEHERRSCHEN DIE HANDELSSTRASSE
Nach dem schon erwähnten Heinrich II. , dem Amtmann zu Berneck, wurde die Stammlinie Altenkindsberg durch seine Söhne Georg I. und Friedrich II. fortgesetzt. Georg lebte zwischen 1360 und 1429, Friedrich wird zwischen 1395 und 1431 urkundlich erwähnt. Die beiden Brüder besaßen gemeinschaftlich die Burg Kindesberg und ein Haus in Kulmbach beim Wasserloch. Die Brüder erhielten im Jahre 1395 von dem Burggrafen zu Nürnberg die Erlaubnis, Kindesberg neu aufzubauen und zu befestigen. Georg besaß auch ein Haus in Creußen. Die beiden Brüder kauften im Jahre 1410 von den Leuchtenbergs Gut und Schloß Schnabelwaid. (Schnabelwaid kommt von Schnabelweide, wegen der dort früher häufig nistenden Störche.
Schloß Schnabelwaid Bild folgt.
Dieses Besitztum lag etwa 2 Stunden südwestlich von der Stammburg Kindesberg und der Burg Emtmannsberg entfernt, im Tale an der alten Heerstraße Bayreuth - Nürnberg. Ein breiter Wassergraben, der durch die Aufführung großer, fast das ganze Tal sperrender Dämme gebildet wurde, umgab dasselbe und machte es fast uneinehmbar. Dieser Besitz blieb bis 1668 Künsbergisch. Die Künsberge hatten nun durch diese drei Burgen, Kindesberg, Emtmannsberg und Schnabelwaid die völlige Beherrschung dieser wichtigen Handelsstraße inne. Von den durchziehenden Handelsleuten wurde ein Schutzzoll erhoben.
DIE BURGGRAFEN VON NÜRNBERG VERLEGEN IHRE RESIDENZ AUF DIE PLASSENBURG
Georg I. besorgte mit seiner großen Familie die heimischen Besitztümer, während Friedrich sich mehr dem Kriegshandwerk widmete. So ward Georg nur der Edle genannt, während der kämferische Friedrich zum Ritter geschlagen wurde. Die Brüder befinden sich im Gefolge des Burggrafen, als dieser Burg und Wald an die Stadt Nürnberg verkaufte. Die Burggrafen begannen sich von Nürnberg abzusetzen, nachdem sie schon Zeitweise wegen Streitigkeiten mit der Stadt nach Kadolzburg ausgewichen waren. 1413 verlegte Burggraf Johann III. Seine Residenz auf die Plassenburg. Georg war mit einer Von Modschiedel, der letzten Ihres Stammes verheiratet. Modschiedel bei Weismain hat eine sehenswerte Wehrkirche. Von den 6 Kindern Georgs übernahm der 1414 geborene Rüdiger das Erbe, während ein Sohn Adrian in das Haus Weidenberg einheiratete und die Familien-linie Künsberg-Weidenberg begründete.
EINE NEUE LINIE KINDSBERG-WEIDENBERG ENTSTEHT
Schloß Weidenberg Bild folgt.
Das eingangs erwähnte Geschlecht der Weidenberge erlosch im Jahre 1418. Die letzte ihres Stammes war Barbara von Weidenberg. Diese heiratete den Sohn des Georg von Kindsberg-Schnabelwaid, Adrian. Die beiden erbten und kauften nun den Markt Weidenberg mit seinen drei Schlössern im Jahre 1446. Das eine, Schloß Gurtstein, wurde von den Hussiten zerstört. Adrian war nun der Stammvater der Kindsberg--Weidenberger Familienlinie, die heute noch blüht. Ein Sohn Adrians war Domherr zu Würzburg und ein anderer Domkapitular zu Bamberg. Augustin, der mit einer von Seckendorf-Aberdar verheiratet war, setzte die Familienlinie fort. Dessen Sohn Sebastian, der später Bran-denburgisch-Kulmbacher Amtmann zu Wirsberg und mit einer Red-witz-Hassenberg vermählt war, gründete eine Nebenlinie Weidenberg. Er fand seine Grabstätte in der St. Michaeliskirche zu Weidenberg, die noch eine Anzahl Grüfte der Kindsberge birgt. Auch an der Außenmauer dieser Kirche befindet sich noch ein Grabstein des Sebastian von Künsberg.
Nachdem diese Nebenlinie Weidenberg 100 Jahre bestand, starb sie mit Jobst Bernhard von Weidenberg aus. Dieser wurde 1581 geboren und war dann später fürstlich Kulmbacher Amtmann zu Neustadt am Kulm, dann 1628 Domherr zu Bamberg, resignierte und vermählte sich mit Ursula von Laineck. Er trat 1632 wieder in markgräfliche Dienste und wohnte in Bayreuth, wo er ein Burggut besaß. 1633, im Dreißigjähri-gen Krieg, besetzten die Kaiserlichen Bayreuth, plünderten es und ver-langten eine hohe Kontribution. Jobst Bernhard von Weidenberg wurde mit 22 angesehenen Einwohnern Bayreuths als Geisel für drei Monate mitgeschleppt. Im Jahre darauf wurde sein oberes Schloß zu Weidenberg von den Kroaten eingeäschert, er ward seiner Wohnung beraubt und starb bald darauf in Warmensteinach. Er ist ebenfalls in der St. Michaelskirche zu Weidenberg begraben. In der im 15. Jh. entstandenen kleinen Friedhofskirche findet sich ein Kanzelaltar, der von einem Künsberg 1661 gestiftet wurde.
FÜRSTBISCHOFLICH-BAMBERGISCHER BESITZ IN KARNTEN
Indessen setzte sich die Hauptlinie Weidenberg mit dem Amtmann zu Gößweinstein, der mit einer Tochter des Kaspar zu Waldenfels, eines Amtmanns zu Kronach, verheiratet war, fort. Das Bistum Bamberg hatte damals ausgedehnte Besitzungen in Kärnten. So finden sich dort heute noch zahlreiche Grabtafeln und Gedenkinschriften fränkischer Ritter in manchen Kirchen Kärntens. Eine solche Tafel in der Stadtkirche zu Wolfsberg erinnert auch an den Sohn des Johann Georg Ull-rich, einen Domkapitular zu Bamberg und Vizedom in Kärnten aus dem Jahre 1540. Dieser Georg Ullrich ist im Dom zu Bamberg bei-gesetzt. Ein Nachfolger in dieser Linie war Joachim, der Amtmann in Kupferberg war. Ein Künsberg-Grabstein ist noch in der Kirche zu Kupferberg zu finden. Der Besitznachfolger Ludwig Christoph, der zu-nächst Domherr zu Bamberg und Würzburg war, dann regisnierte und eine Rabenstein heiratete, kaufte das Rittermannslehen Kürmseeß dazu, weshalb sich nun die Familie Weidenberg-Kürmseeß nannte. Ein Sohn Hans Ernst erwarb Gut und Schloß in Bindlach bei Bayreuth. Ein Wappen an zwei Anwesen ist alles, was von der Schloßherrlichkeit heute noch geblieben ist. So entstand eine Nebenlinie Künsberg-Weidenberg-Bindlach, die 1735 wieder ausstarb.
Zugleich mit der Bindlacher Nebenlinie bildete sich noch eine Linie Mandel. Ein Angehöriger dieser Linie, der Königlich-Bambergische Hauptmann Franz Ludwig, war mit der Tochter Barbara aus der be-kannten Bambergischen Familie Böttinger vermählt. Er war Ritter des bayerischen Max-Josef-Ordens und der französischen Ehrenlegion und verstarb 1803 zu Bamberg.
Die Hauptlinie Weidenberg-Kürmseeß erbte nach Ludwig Christoph sein Sohn Jobst Heinrich von Künsberg auf Weidenberg und Hauritz. Dieser verkaufte 1661 Gut und Schloß Weidenberg an die Familie Lin-denfels-Windischlaibach. Lindenfels baute das verfallene Schloß neu auf; später fiel es dann an die Markgrafen und wurde als Amtshaus benützt. Dieses erhaltene Schloß dient heute als Tagungsort. Es trägt am Portal noch das Wappen der Künsberg-Laineck.
OBERAMTMANN ZU KRONACH, WALLENFELS UND NORDHALBEN
Johann Joseph Siebert zu Kindsberg-Weidenberg-Kürmseeß erwarb noch Güter bei Guttenthau nächst Bayreuth, Ködlitz und Selbitz; Er war bambergischer Hoftruchsess, Hofrat und 1750 Oberamtmann zu Kronach, Wallenfels und Nordhalben. Er verstarb 70-jährig, 1775 in Kronach, und wurde in der Pfarrkirche begraben. Der Sohn Sigmund Ignaz, der Bamberger Hofrat, Oberamtmann zu Waischenfeld und später auch Oberamtmann in Kronach war, erbaute 1780 das Schloß Guttenthau. Im Jahre 1783 machte er in Kronach eine Meßstiftung zu Ehren des Hl. Johannes von Nepomuk für die verstor-benen Mitglieder seiner Familie. Er war mit einer von Redwitz - Schmölz vermählt. Nach der Aufhebung des Oberamtes Kronach 1806, zog er in sein Schloß Guttenthau und verstarb dort 1823, 84ig jährig.
BERGHAUPTMANN ÜBER ALLE BAMBERGER HÜTTEN UND BERGWERKE
Der 1789 zu Würzburg geborene Sohn Franz Karl Ludwig Philipp auf Kürmsees und Guttenthau, war Würzburgisch-königlich-bayerischer Kammerherr und Oberappellations-gerichtsdirektor und wurde 1795 Berghauptmann über alle Bamberger Hütten und Bergwerke. Danach ward er zum Oberamtmann zu Teuschnitz und Rothenkirchen ernannt und war dann als oberster Bergrichter bei der Regierung in München tätig und 1825 Landtagsabgeordneter. Er erwarb noch das Rittergut Dressau. Nachfahren dieser Familie Weidenberg leben heute noch in Hannover, Dorzbach an der Jagst und München.
HUSSITTEN VERHEEREN DAS LAND
Die beiden Brüder Georg und Friedrich aus der Kindsberg-Schnabelwaider Linie besaßen das Kirchenlehen Schwarzach in Gemeinschaft. Schwarzach bei Schmeilsdorf war auch ein Erbbegräbnis der Künsberge. Es gab Streitigkeiten zwischen Georg, Friedrich und Ullrich auf Wernstein auf der einen Seite und dem Kloster Langheim auf der anderen, über die Pfarrei Schwarzach. Der Streit wurde von dem Burggrafen Johann zu Nürnberg geschlichtet. Der Abt von Langheim mußte in der Pfarrei einen Pfarrer einsetzen und ihn den Kindsbergs präsentieren. "Der Pfarrer mußte ein tugendlicher und gelehrter Mann sein, der ein Priester ist oder nach einem Jahr solche Bete Priester werden mag." 1415 wurde Burggraf Friedrich VI. vom Kaiser Siegmund zum Kurfürsten unter dem Namen Friedrich I. von Brandenburg ernannt, womit die Hohenzollern ihren Besitz in Preußen begründeten. Die kirchlichen Belange Bayreuths unterstanden dem Bistum Bamberg und damit dem Dekanat Kronach. Die Verwüstung des Landes durch die Hussitten 1430 erlebte Friedrich noch kurz vor seinem Abscheiden 1431. Zu vermuten ist, daß auch die Schlösser Schnabelwaid, Altenkindsberg, Emtmannsberg und Wernstein stark beschädigt wurden, da die Hussitten über Hof, Bayreuth, Kulmbach, bis nach Neustadt an der Aisch zogen und auf Ihrem Rückzug noch Pegnitz und Creußen verwüsteten. Die evangelische Kirche St.Johannes in Schwarzach wurde um 1612 von Georg Siegmund von Künsberg erbaut, das Wappen des Erbauers findet man über einem Seitenportal der Kirche. An den Außenmauern der Kirche befinden sich noch Grabtafeln der Künsberge. Ein schöner Fachwerkbau in Schwarzach trägt ebenfalls die Wappensteine der Familie. Ein Sohn Friedrichs war unter dem Fürstbischof von Rotenhan Domherr in Bamberg und Würzburg und dessen Sohn Domdechant in Regensburg. Die Familie Friedrichs II. starb 1480 ohne männliche Erben aus.
Teil II.Teil III.
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